Heute sind wir wieder früh aufgestanden, um den König der Mossi sowie verschiedene Würdenträger bei einer Zeremonie zuzusehen. Sie findet jeden Freitag statt und ist natürlich Anziehungspunkt für Touristen. Entsprechend sind unter anderem viele Weiße anwesend. Doch im Unterschied zu den Durchschnittstouristen werden wir im Anschluss zu einer Audienz in die Residenz des Königs eingeladen.
Eine immerhin nicht unbedeutende Persönlichkeit, sind doch 40% der Burkinabe Mossi, während sich der Rest auf 61 andere Ethnien verteilt, und sich die Aufgaben des Königs wohl nicht auf die Repräsentation beschränken. Nach dem Austausch von Höflichkeiten wurden wir um den König gruppiert, für das obligatorische „Familienfoto“. In diesem Fall klar, aber auch ansonsten gehen uns die Burkinabe ein bisschen auf die Nerven damit, dass wir bei jedem Programmpunkt, vor jedem bekannteren Gebäude ein Foto mit allen machen müssen.
Danach sind wir weit aus der Stadt hinaus zum Manega-Museum gefahren, in dem heilige, sehr mächtige Masken zu sehen sind. Nachdem wir schon einige Hallen mit Masken (komplette Ganzköperkostüme mit Gesichtsmasken, die häufig sind, heißen genauso Maske, wie eine Maske nur für´s Gesicht) besichtigt hatten, kamen wir zur Halle des Todes. Diese mussten wir ohne Schuhe und rückwärts betreten, damit die Toten unsere Füße zuerst sehen, um auf einer Ebene mit diesen zu sein, da diese nach ihrem Tod mit den nackten Füßen voran aus ihrem Haus getragen werden.
Stirbt ein Mensch, wird herausgefunden, ob er eines natürlichen Todes gestorben ist, indem man einem Huhn über dem Körper des Toten den Kopf abtrennt. Der kopflose Körper läuft dann noch weiter und je nachdem ob er auf den Bauch oder den Rücken fällt, war es ein natürlicher oder unnatürlicher Tod. In letzterem Falle kann man bei dieser 1. Begräbniszeremonie feststellen, wer der Mörder ist. Denn in dem Moment wo der Körper des Toten auf die Schultern der Jugendlichen des Dorfes gehoben wird, übernimmt er die Kontrolle über diese und wenn der Tote durch das Spalier an Menschen vor seinem Haus getragen wird, werden seine Füße auf den Mörder deuten.
Dass wir in einem Museum waren, bedeutet hierbei nicht, dass es sich um längst vergangene Rituale handelt, was Alisetta, die vom Dorf kommt, klar gemacht hat, indem sie sagte, dass es bei ihr zu Hause immer noch auf diese Weise gehandhabt wird und erklärte, dass der Tote sich niemals irre und die entsprechende Person auf jeden Fall aus dem Dorf verstoßen werden muss und auch wird.
Am Ende des Museumbesuches gab es eine Auseinandersetzung darüber, wo und wie gegessen wird. Entgegen des ursprünglichen Vorschlags von Ernest, der Essen gehen wollte, wurde dann beschlossen, dass wir auf dem Weg nach Hause Früchte kaufen und einige Personen damit zu Hause absetzten, bevor wir zum Restaurant fahren, da diese ihrem Magen einen Restaurantbesuch nicht zutrauen. Letztlich war es aber doch so, dass wir zuerst zum Restaurant gefahren sind und dann nur wenige weiter nach Hause gefahren sind.
Nachdem das Essen im Restaurant sehr lange gedauert hatte und alle sich sehr platt fühlten, wurde die Diskussion um Religion auf einen anderen Tag verschoben und der Rest des Tages war frei. Nach dem Abendessen stand dann die Aufteilung in Familien an, wobei es im Vorfeld große Befürchtungen gab, dass es ein schwieriger Prozess werden würde, was dazu führte, dass es schon eine Diskussion um das Aufteilungssystem an sich gab. Im Anschluss zeigte sich allerdings, dass diese schnell und problemlos von statten ging.
So kamen wir als Besuchergruppe endlich mal wieder zu einer Ist-was-Runde, die eigtl. täglich beim Frühstück stattfinden sollte, aber niemals stattfindet, da wir immer versetzt frühstücken, da wir ja auch nicht alle gleichzeitig im Bad sind, sondern auch immer versetzt.
Hierbei wurde auch die Auseinandersetzung um das Essen nochmals angesprochen, was eine Diskussion um die Entscheidungsfindung und Organisation der Gruppe überhaupt auslöste. Letzlich scheint der Ärger innerhalb der Gruppe dabei nicht gelöst, die Spannung blieb erhalten und jede Äußerung kann ein Problem sein.
Ina
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